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  • lilianw59

Vorwort zu meinen aktuellen Buchprojekt 'Regenbogenschmetterlinge'

Jeden Tag geschehen schreckliche Dinge auf der Welt. Viele davon bekommen wir nicht mit, da sie, verborgen vor unseren Blicken, geschehen.

Es sind Schicksale, die uns nicht berühren, da wir sie nicht sehen.

Doch in einer stinknormalen Klinik könnten wir fündig werden und über einige dieser unsichtbaren Schicksale stolpern.


Da wäre, zum Beispiel die weinende junge Frau, eingehüllt in einen Bademantel, knieend in der Krankenhauskapelle im Parterre. Wenn du sie siehst, fragst du dich zwar, warum sie hier sitzt und weint, doch du würdest nie fragen. Ihr spürbarer Schmerz ist wie ein Mauer, an die du nicht unbedingt anklopfen möchtest. Stattdessen stellst du möglicherweise nur Vermutungen an. Ist sie krank? Ist jemand krank, der ihr nahesteht? Trauert sie um jemanden oder betet sie vielleicht um ein Wunder?

Du hast keine Ahnung. Doch vielleicht siehst du sie noch nicht einmal.

Dennoch ist es ein Schicksal.

Oder die Frau auf der vierten Station, die mit wachsbleichem Gesicht in ihrem Bett liegt, blicklos aus dem Fenster starrt und deren Gedanken nur um eine Frage kreisen:

Warum ich? Und die keine Tränen mehr hat, die sie ihrem aufwühlenden Schmerz opfern könnte. Sie liegt verborgen hinter der Zimmertür. Verborgen vor deinem Blick. Doch selbst, wenn du sie sehen würdest, könntest du ihr helfen? Wohl kaum.

Rutschen wir einfach mal zwei Etagen tiefer.

Piepsende Geräte. Sicherheitsschleusen. Ein Ort, den nur Wenige betreten dürfen. Die Intensivstation. Dort, angeschlossen an Monitore, sämtliche Gliedmaßen mit irgendeiner Maschine verkabelt und dem ständigen rhythmischen Zischen einer Beatmungsmaschine. Dort liegt sie. Ihre schweren Verbrennungen glänzen unter einer dicken Salbenschicht. Ihre Augen sind geschlossen. Natürlich sind sie geschlossen. Die Schmerzen wären so unerträglich, dass die Ärzte sie in ein künstliches Koma gelegt haben. Doch was mag hinter diesen geschlossenen Augen vorgehen? Ist ihr bewusst, was gerade mit ihr geschieht?

Keine Ahnung.

Bewegen wir uns eine Etage höher. In die gynäkologische Abteilung, die meist von Gebärenden bevölkert wird. Hier liegt eine junge Mutter, die ihr Neugeborenes stillt. Ein herzerwärmender Anblick, nicht wahr? Das kleine Baby, so sanft, so zart, wie ein junges Butterblümchen. Die Hand der jungen Mutter streicht sachte und unendlich liebevoll über den empfindlichen Kopf des Kindes. Sie spürt den zarten Flaum unter ihren Fingerspitzen und aus ihrem verschleierten Blick schimmert unendliche Liebe. Dennoch weint sie. Warum? Keine Ahnung.

Oder in der ersten Etage. Die Chirurgie. Dort hockt eine wunderschöne Frau im Aufenthaltsraum und raucht mit zittrigen Fingern eine Zigarette nach der anderen. Ihre herzförmigen Lippen wirken im Augenblick verkniffen, wenn nicht sogar verbittert. Zarte, filigrane Sommersprossen überziehen das ganze Gesicht. Im Augenblick sehen sie jedoch wie kränklicher Ausschlag aus, da diese wunderschöne Frau ungesund blass ist. Und unwillkürlich kräuselst du die Nase und fragst dich, ob sie möglicherweise an Lungenkrebs erkrankt ist. Das ist sie nicht. Sie trägt einen Gipsverband am rechten Bein. Doch ist DAS ein Grund, so abgrundtief unglücklich zu wirken?

Ich werde es nicht erfahren, da ich sie nicht frage.

Begeben wir uns jetzt ganz nach unten in den Keller. Dort, wo eigentlich niemand von uns hinmöchte, möglicherweise aber dennoch landet. Die Kühlkammer. DER Ort, an dem Verstorbene zwischengelagert werden, bis ein Bestattungsunternehmer sich den letzten Resten deines Daseins, dem Leichnam, annimmt.

Hier wird gerade eine Frau auf eine Metallbahre gelegt. Bläuliche Flecken übersäen den ausgemergelten Körper. Leichenflecken. Doch ich sehe auch viele Narben und Einstiche. Vor allem an den Armen und Knöcheln. Ein deutlicher Hinweis auf Drogenkonsum. Was ist geschehen? Hat sie sich den goldenen Schuss gesetzt? Ist sie möglicherweise versehentlich an einer Überdosis gestorben? Was ist mit der Mutter dieser armen Kreatur? Muss sie sich die schauerlichen Überreste ihrer einst so lebhaften Tochter anschauen? Wird sie möglicherweise daran zerbrechen? Wir wissen es nicht.

Gottlob wird gerade ein weißes Leinentuch über den nackten, geschunden Körper gestreift. Sie verschwindet in einem Metallfach und entzieht sich so unserem mitleidigen Blick.


All dies sind Dinge, wie sie überall auf der Welt geschehen. Dinge, die unser Mitgefühl wecken. Dinge, von denen wir hoffen, dass sie UNS niemals zustoßen werden.

Schreckliche Dinge.


Und jetzt stell dir vor, diese Frauen wären schwanger gewesen…



Behalte diese Vorstellung bei und erinnere dich an diese Schicksale, wenn du nun weiterblätterst und eintauchst in eine, der vielen zur Verfügung stehenden Antworten.

Diese Seiten führen dich weiter…

Weiter, zu einem Ort, jenseits unserer Vorstellungskraft.

Weiter zu einem Ort, der einmalig ist und SO nie wieder entstehen wird.

Weiter zu einem Ort, an dem Sterne sich versammeln und verharren.

Weiter zu dem Ort, wo Regenbogenschmetterlinge etwas ganz Normales sind, Feuer mehr als nur ein Feuer sein kann, die Liebe Brücken baut, der höchste Sprung in die Glückseligkeit führt, größte Verzweiflung sich in Nebel auflöst und gebrochene Herzen zueinanderfinden…

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